GWG-Geschichten nach dem Krieg

Eine kleine Zeitreise: So wohnten unsere Großeltern
Die baulichen Aktivitäten der GWG heute beschränken sich auf die umfassende Modernisierung des vorhandenen Wohnungsbestandes, im Neubaubereich aber lediglich auf gezielte Vorhaben – sei es für ein altersgerechtes Wohnen mit Service oder als Projekte in privat-öffentlicher Partnerschaft. In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sah unsere Aufgabenstellung noch ganz anders aus.

In einer kleinen Serie erinnern wir an Zeiten, als es schon Komfort bedeutete, überhaupt eine eigene Wohnung zu haben, ein Gemeinschaftsbad und die Toilette auf dem Flur. Wir unternehmen eine kleine Zeitreise: So wohnten unsere Eltern und Großeltern, bevor das Wirtschaftswunder begann.

Unbeschreibliche Wohnungsnot
Zeitblende. Wir schreiben das Jahr 1945. Mehr als ein Drittel des gesamten Wohnungsbestandes im Kreisgebiet, 11.200 von 31.004 Wohnungen waren im Krieg völlig oder teilweise zerstört worden. Es herrschte eine unbeschreibliche Wohnungsnot, dadurch noch verschärft, dass Bombengeschädigte aus den benachbarten Großstädten Krefeld und Gladbach sowie 45.000 Vertriebene und Flüchtlinge beherbergt werden mussten.

An der vorläufigen Unterbringung der Vertriebenen und Flüchtlinge mussten sich alle Gemeinden im Landkreis Kempen-Krefeld gleicherweise beteiligen und waren so gezwungen, Notbaracken aufzustellen, weil die Obdachlosen, die Vertriebenen und Flüchtlinge anderswo nicht mehr untergebracht werden konnten. Darüber hinaus errichteten die Gemeinden mit einfachen Mitteln Behelfsheime. Für die GWG begann die Zeit der größten Herausforderungen seit ihrer Gründung im Jahr 1901.

Die „Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Landkreis Kempen-Krefeld AG mit Sitz in Krefeld“, wie die vollständige Firmierung seit 13. Mai 1943 lautete, hatte im Krieg vergleichsweise wenige Verluste im eigenen Wohnungsbestand zu beklagen gehabt. Zwar wurden beim Fliegerbombardement auf Krefeld am 22. Juni 1943 auch die Verwaltungsräume der GWG getroffen und dabei fast das gesamte Inventar samt Akten vernichtet. Doch lediglich zwei Miethäuser der Gesellschaft im Kreisgebiet waren total zerstört. „Die Teilzerstörungen betrugen wertmäßig rund 269.000 Reichsmark“, vermerkte die Jubiläumsschrift der GWG 1951 zum 50jährigen Bestehen. Als der GWG-Aufsichtsrat erstmals nach Kriegsende am 21. Oktober 1948 wieder zusammentrat, verwaltete die Gesellschaft einen Althausbestand von 429 Häusern mit 840 Wohnungen.

Sozialwohnungen nach dem Krieg
Die neu errichteten Sozialwohnungen in der Nachkriegszeit hatten mehrheitlich drei Zimmer, manche mit einer Kombination von Küche und Bad. Bei einem Drittel der Neubauwohnungen lag die Nutzfläche bei rund 50qm. Die Durchschnittsmiete für eine Drei-Zimmer-Wohnung in einem Neubau betrug 43,50 DM (0,92 DM je qm). Für eine vergleichbare Altbauwohnung zahlten die Mieter 29,15 DM (0,68 DM je qm). Für Alleinstehende in „Kleinsthaushaltungen“ wurden Dachgeschosswohnungen ausgebaut.

Über die Qualität des Bauens war man sich bei der GWG einig, wie im Geschäftsbericht von 1951 zu lesen ist: „Bei der Auswahl der Bautypen haben wir uns von dem Grundgedanken leiten lassen, mit dem geringsten Einsatz den höchsten Nutzen zu erzielen. Das Prinzip der Sparsamkeit und der Baukostensenkung ist mit Nachdruck angestrebt worden. Jedoch haben wir es abgelehnt, Bauten zu erstellen, die nicht den Mindestanforderungen entsprechen, die an ein Wirtschaftsgut gestellt werden müssen, welches 100 Jahre seinen Zweck erfüllen muss. Wir sind der Auffassung, dass ein Verstoß gegen die Grundanforderungen in der Folge zu Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten führt, die weitaus höher sind, als die nicht zu vertretenden Einsparungen betragen würden.“

Das Wirtschaftswunder lässt grüßen
Zehn Jahre nach der Währungsreform und der Wiederaufnahme der Bauaktivitäten bilanzierte die GWG im Geschäftsbericht 1958 ihre Bauleistung in den einzelnen Gemeinden des Geschäftsgebietes. Seit 1948 waren Miethäuser und Eigenheime mit insgesamt 2.930 neuen Wohneinheiten entstanden. Die Schwerpunkte der Bautätigkeit lagen in Lobberich (309 WE), Grefrath (295 WE), Kempen (269 WE), Waldniel (260 WE), Osterath (204 WE) und Lank (199 WE).

Nach der Behebung der größten Wohnungsnöte registrierte die GWG mit dem Aufkeimen des Wirtschaftswunders bei den Mietern nun allmählich eine „Tendenz zur besseren Ausstattung“: „Wir haben keine Wohnungen errichtet, die nicht über ein voll ausgebautes Bad verfügen. Fast die Hälfte aller fertig gestellten Mietwohnungen ist mit Etagenheizung installiert worden. Darüber hinaus wurden vielfach zentrale Waschanlagen mit automatischen Waschmaschinen geschaffen.“

Wohnkomfort im Wandel der Jahrzehnte
Nach dem Abebben des Aussiedler-Zustroms zu Beginn der 1990er Jahre hielten sich Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt im Kreisgebiet zunehmend die Waage. Der Mieter hatte plötzlich die freie Auswahl, und der Vermieter musste zusehen, den Wohnkomfort und das Wohnumfeld ständig zu verbessern. Anderenfalls drohte Leerstand.

So startete die GWG 1996 neben der normalen Instandhaltung ein Modernisierungsprogramm mit einem Investitionsvolumen in Millionenhöhe. Alle Wohnungen aus dem Hausbestand werden seither Schritt für Schritt bautechnisch auf den neuesten Stand gebracht: mit neuen gasgespeisten Zentralheizungen bzw. Einzelthermen, mit isolierverglasten Fenstern, wärmedämmenden Dächern und modernen Wannen- oder Duschbädern.

Auch in 2009 hat die GWG im Rahmen dieses Programms 4,4 Mio. EUR investiert und 324 Wohneinheiten saniert. So wurden 18 Wohnungen in den Wohnhäusern an der Fröbelstraße in Meerbusch-Osterath von Grund auf modernisiert. Auch in Kempen, Lindenweg (15 WE), in Amern, Mühlenweg (8 WE) und in Geldern, Glockengasse / Heilig-Geist-Gasse (16 WE) gab es umfassende Sanierungsmaßnahmen.

50 Jahre zuvor waren die Ansprüche der Menschen an den Wohnkomfort noch ganz andere. Nach der Behebung der größten Wohnungsnot in den Nachkriegsjahren finden sich im GWG-Geschäftsbericht des Jahres 1959 diese Aussagen: „Bei den Mietwohnungen überwiegt der Wunsch nach einer Dreiraumwohnung mit Küche und Bad und einem Mansardenzimmer als Kinderschlafzimmer. Alle errichteten Wohnungen haben ein voll eingerichtetes Bad, in 11,29% der Neubauwohnungen wurde eine Zentral- bzw. Etagenheizung vorgesehen. In fünf größeren Wohnblocks wurden den Mietern vollautomatische Waschmaschinen zur Verfügung gestellt.“

In den folgenden Jahren wurden die Ansprüche der Mieter größer. „Alle Wohnungen haben ein voll eingerichtetes und gekacheltes Bad“, vermeldete die GWG 1963, „38 Wohnungen erhielten eine Einbauküche mit Chrom-Nickel-Spüle, Anrichte, Hänge-, Besen- und Speisenschrank. Dazu wurden in 12 Wohnungen Etagen-Warmluftheizungen installiert.“

Beim Althausbesitz und bei den älteren Neubauten aus den frühen 1950er Jahren notierte die Gesellschaft 1963 einen rasch wachsenden Aufwand für Instandhaltungen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Kosten hierfür um 24% auf knapp 300.000 DM. Das reichte vom neuen Hausanstrich bis zur Modernisierung der sanitären Installationen.

In einem Modernisierungsprogramm wurde in den 1960er Jahren die schrittweise Erneuerung der Fußböden und die Generalüberholung der Treppenhäuser in Angriff genommen. Auch die Neueindeckung von Dächern zeichnete sich ab. Der Althausbesitz aus dem Vorkriegsbestand wurde teilweise an das öffentliche Entwässerungsnetz angeschlossen, so dass die „Außentrockenklosetts“ abgebaut und durch Bäder mit WC innerhalb der Wohnungen ersetzt werden konnten.

Durch die Einrichtung einer eigenen Schreinerei gelang es der GWG, zeitnah und bedarfsgerecht Holzfenster, Haustüren, Blendläden, Zimmer- und Hoftüren zu ersetzen und Holzdielen-Fußböden neu zu verlegen. In einem nächsten Schritt musste die Elektroinstallation, die in den älteren Objekten nicht mehr den neuen Sicherheitsbestimmungen entsprach, auf den neuesten Stand gebracht werden; das heißt, die Leitungen wurden unter Putz verlegt.

In der Folge der weltweiten Ölkrise von 1973 und der damit verbunden Energieverteuerung machte sich die GWG zunehmend Gedanken über den Einbau von energiesparenden Heizsystemen und begleitenden Wärmeschutzmaßnahmen wie dem nachträglichen Einbau isolierverglaster Fenster. Neubauten wurden mit Nachtstrom-Fußbodenheizung oder gasgefeuerter Warmwasser-Zentralheizung mit Warmwasserversorgung ausgestattet. Die Aufwendungen für laufende Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten waren längst sprunghaft in die Millionen geschossen.

Zum Komfortstandard eines Neubaus an der Gladbacher Straße in Waldniel, der sowohl Altenwohnungen als auch Wohnungen für kinderreiche Familien bot, schrieb die GWG 1976: „Alle Wohnungen sind solide und modern ausgestattet. Elektrofußbodenheizung, Gemeinschaftswaschküche, Kinderspielplätze, Altenstube sowie ansprechend gestaltete Außenanlagen sind Garantie für eine Wohnanlage von hohem Wohnwert auf Dauer. Die Altenwohnungen sind an eine elektrische Rufanlage angeschlossen, die die Verbindung zum Hausmeister sichert.“

Generationsübergreifendes Wohnen mit Service war also bereits damals ein wichtiges Thema der GWG.                            

Wohnungsmangel durch Aussiedlerströme
Zu Beginn der 80er Jahre war die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum weitaus größer als das vorhandene Angebot. Im Geschäftsbericht 1980 warnte der GWG-Vorstand: „Der Mangel an Mietwohnungen nimmt ständig zu. Neu gegründete Familien, Zuwanderer und Jugendliche, die einen eigenen Hausstand anstreben, finden nicht oder nur sehr schwer den erforderlichen Wohnraum.“

In diesen Jahren erlebte der Kreis Viersen verstärkt den Zuzug südvietnamesischer Großfamilien. Später würden es Aussiedler aus Russland und Asylanten anderer Nationen sein. Eine der ersten Anlaufstellen für die Asiaten, die damals aus Furcht vor den neuen kommunistischen Machthabern ihre Heimat fluchtartig verlassen hatten und als „Boat-People“ traurige Bekanntheit erlangten, war im Kreis Viersen das ehemalige Irmgardis-Stift, das Haus der Caritas-Regionalstelle in Süchteln.

Von hier aus suchte man nach geeignetem Wohnraum für die nicht selten 15köpfigen und größeren Familien, die einen festgefügten Verband vom 80jährigen Oberhaupt bis zum einjährigen Urenkel bildeten. So zog eine solche Großfamilie 1983 nach Breyell-Speckerfeld und bewohnte eine komplette Etage.

Zehn Jahre später bewirkten die dramatischen Umbrüche im Ostblock mit dem Mauerfall in der DDR und dem Zusammenbruch der alten Sowjetunion einen neuerlichen Umschwung auf dem hiesigen Wohnungsmarkt. Durch den Zustrom von DDR-Übersiedlern und Aussiedlern aus Osteuropa verschärfte sich erneut der Mangel an preiswerten Mietwohnungen. Die GWG reagierte schnell und flexibel und forcierte nach einer Phase relativer Ruhe den Neubau von Mietwohnungen mit z.B. über 50 Wohneinheiten in den Meerbuscher Ortsteilen Osterath und Lank.

Die Nachfrage nach Mietwohnungen war besonders groß in Süchteln, Kempen, Willich, Lank und Osterath, wo insgesamt über 600 Bewerbungen vorlagen. Zur Behebung der Wohnraummisere legte der Kreis Viersen 1990 ein Sonderprogramm auf, aus dem als erstes größeres Projekt zwei Mehrfamilienhäuser in Süchteln, Höhenstraße, gefördert wurden. Da auch das Land NRW öffentliche Mittel bereitstellte, konnte die GWG alle Kräfte auf den Mietwohnungsbau konzentrieren und den Bedarf teilweise decken.

Sparsamer Umgang mit Fläche
Die Ölkrise in den 70er Jahren hatte die Menschen in Deutschland nachdenklich gemacht. Die Zeiten der unbegrenzt vorhandenen und vor allem spottbillig verfügbaren Ressourcen waren vorüber. Doch nicht nur in einem bewussteren und sparsameren Umgang mit der Energie schlug sich das Umdenken allmählich nieder, sondern auch in einer geänderten Einstellung zur Umwelt und vor allem zur gedankenlosen Verschwendung von Boden, Wasser und Luft. Die ökologische Bewegung erfasste zunehmend alle gesellschaftlichen Bereiche.

Im Geschäftsbericht 1983 beschrieb die GWG den Zwang zum kosten- und flächensparenden Bauen so: „Die Städte ufern weiter aus. Der Freiraum der Natur und Landschaft - Reservate für Ressourcen und Erholung - wird kleiner. Großzügiger Umgang mit dem Boden verteuert die Erschließung und damit Schaffung von Wohnraum. Alternative Wohn- und Siedlungsformen tragen zu einem differenzierten Angebot bei. Nur auf diese Weise ist es überhaupt noch möglich, den von uns vornehmlich zu versorgenden Bevölkerungskreisen zu preiswerten Wohnungen oder zum Bau einer Siedlung bzw. eines Eigenheims zu verhelfen.

Mit der Zeit, verstärkt seit 1990, konzipierte die GWG kostensparende Reihenhaustypen und ermöglichte so vor allem Familien mit Kindern den Erwerb eines Eigenheims. Beispiele finden sich Kempen und Süchteln. In Zusammenarbeit mit den planenden Architekten wurden die Haustypen standardisiert, verstärkt vorgefertigte Bauteile eingesetzt und die Grundstücke optimal nutzbar zugeschnitten – alles miteinander Kennzeichen für ein flächen- und kostensparendes Bauen.

Kontakt

GWG Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Kreis Viersen AG
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Telefon: 02162 / 5780-0
e-Mail: info@gwg-kreis-viersen.de,

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